Geschichte

Die Geschichte des Kopernikus-Gymnasiums

Von der Planung bis zur Eröffnung der Schule

Der Ruf nach einem zweiten Jungengymnasium für Rheine wurde bereits in der zweiten Hälfte der 50er Jahre laut; Auslöser war die Raumnot am Gymnasium Dionysianum, wo für rund 700 Schüler und 24 Schulklassen nur 18 Klassenräume zur Verfügung standen. Erste Besprechungen erfolgten 1959. Und schon Ende Februar empfiehlt Regierungsdirektor Fitte vom Schulkollegium Münster der Stadtverwaltung Rheine, ein zweites Jungengymnasium zu bauen.

Die Verwirklichung sah - im Telegrammstil - so aus:
07.07.59: Ratsbeschluss über die Errichtung der Schule
21.01.61: Genehmigung des Kultusministers
06.02.62: Ratsbeschluss zur Durchführung des Bauvorhabens
04.04.62: Schulaufsichtliche Genehmigung
26.03.63: Baubeginn und erster Spatenstich durch Stadtdirektor Alfons Mainka
21.02.64: Richtfest
27.04.65: Vorläufige Eröffnung
10.12.65: Offizielle Eröffnung des Schulbetriebs


Für die in den 50er Jahren steigenden Schülerzahlen und die dadurch bedingte Raumnot, nicht nur am Dionysianum, gab es viele Gründe:
Zählte die Stadt z.B. bei Kriegsende noch 45449 Einwohner, waren es 5 Jahre später schon 51200, 1955 bereits 56037 und 1960 gar 58139.
Die Steigerung auf 64200 im Jahre der Eröffnung des Kopernikus-Gymnasiums rechtfertigt sehr anschaulich, wie notwendig der Bau des zweiten Jungengymnasiums war.
Die genannten Zahlen spiegeln auch die großen geschichtlichen Entwicklungen und Ereignisse wider:
So sind für Rheines steigende Einwohnerzahlen auch viele nach hier wieder zurückgekehrte Evakuierte, ferner die fast 4000 Ostvertriebenen "verantwortlich?, deren Unterbringung übrigens äußerst schwierig war, da in Rheine von 8838 Wohnungen 3895 zerstört waren. Ähnliche Schwierigkeiten zeigten sich auf dem schu1ischen Sektor, waren doch das Emsland-Gymnasium, die Berufsschule, die Thie-und die Diesterwegschule vollständig zerstört, 9 weitere Schulen schwer beschädigt.
Am 27.2.1959 wurde Rheine dann durch den Einmarsch der ersten 800 Soldaten in die neue Kasernenanlage Gellendorf wieder Garnisonsstadt, und schon nach 10 Jahren hatte sich Rheine mit 4500 Soldaten und 1300 Zivilangestellten zu einem der größten Standorte der Bundesrepublik entwickelt.
Als Folge des wirtschaftlichen Aufschwungs nach der Währungsreform blühte auch in Rheine die Wirtschaft auf, kamen neue Industriezweige in die Stadt und in ihrem Gefolge viele Arbeitskräfte. Eine rege Bautätigkeit setzte ein, besonders im Stadtteil rechts der Ems. Diese Entwicklung spricht auch Stadtoberinspektor Werningauf der gemeinsamen Sitzung des Bau-und Schulausschusses am 26.5.61 an, wo auch er auf die steigenden Geburtenziffern hinweist und dann auf den Bau des neuen Gymnasiums zu sprechen kommt:?Seit Einführung der Schulgeldfreiheit habe sich der Zug zu den höheren Schulen noch verstärkt, so dass die Schulleitungen bislang gezwungen waren, mehrere Schüler an auswärtige Schulen zu verweisen.
Die akute Raumnot am Dionysianum habe anfangs durch den Anbau eines Flügels beseitigt werden sollen. Die Schulaufsichtsbehörde habe aber erklärt, dass es besser sei, ein eigenes mathematisch-naturwissenschaftliches Gymnasium zu errichten. Folgende Überlegungen hätten das Schulkollegium zu dieser Auffassung geführt:

1.) Die Industriestadt Rheine besitze keine höhere Schule, die dem zu erwartenden Andrang und der industriellen Entwicklung entspreche. Das Dionysianum sei seiner Herkunft und seinem Wesen nach ein altsprachliches Gymnasium. Der dem Dionysianum nach dem,Kriege angeschlossene mathematisch-naturwissenschaftliche Zweig werde immer nur ein Anhängsel bleiben ?
Ähnlich hatte sich in einem früheren Schreiben das Schulkollegium geäußert: unsere Zeit habe sehr dringliche Forderungen an die Ausbildung,unserer Jugend, deren Erfüllung, wenigstens vorerst, noch nicht unbedingt in der Erziehungsweise der alten humanistischen Gymnasien gewährleistet sei.

2.) Die Meinungsverschiedenheiten über den konfessionellen Charakter des Dionysianums würden sich auf die Dauer nicht zum Wohle der Schule auswirken. Auch dieses Problem fände durch die Gründung eines mathematisch- naturwissenschaftlichen Gymnasiums eine befriedigende Lösung.
Anmerkung des Verfassers: Gerade die Zeit der Evangelischen und damit der evangelischen Schüler in Rheine war nach dem Krieg stark gestiegen, allein im Bereich der Jakobi-Gemeinde von 3100 im Jahre 1945 auf 6800 Mitte der 50er Jahre.)

3.) Auch die Frage des Fremdsprachenbeginns in Sexta -Latein oder Englisch- würde mit der Gründung des neuen Gymnasiums gelöst, das nach Ansicht des Schulkollegiums mit Englisch beginnen solle.

4.) Die Schülerzahl am Dionysianum würde sich durch den Zuzug von Bundeswehrfamilien noch erheblich steigern. Schon jetzt sei aber namentlich der naturwissenschaftliche Teil des Dionysianums nicht so untergebracht, wie es die Bestimmungen für ein mathematisch-naturwissenschaftliches Gymnasium erforderten. Das neue Gymnasium solle deshalb ein mathematisch-naturwissenschaftliches Gymnasium werden. Was bedeutet das? Heinrich Klostermann erläutert es in der Münsterländischen Volkszeitung vom 4.11.64 wie folgt:

"Das bedeutet zunächst einmal nichts anderes, als daß die Wissenschaften Mathematik, Physik und Chemie im Unterricht eine hervorragende Stellung einnehmen. Demgegenüber treten die Sprachwissenschaften zurück. Dennoch bleibt sprachlicher Unterricht ein wesentlicher Bestandteil dieser Gymnasialform. Diese Eigenart des mathematisch-naturwissenschaftlichen Gymnasiums birgt eine Chance r und eine Gefahr: Die Chance liegt darin, daß Lehren und Lernen in dieser Schulform in betonter Weise zugewandt sind der Erkenntnis m und der Bewältigung der technisch-industriellen Welt ? Für die - Schule ist dies die Aufgabe: Menschen zu bilden, die mit unserer Welt verantwortlich (vor den Menschen und vor Gott) fertig werden können. Der große Respekt vor den Kulturgütern des europäischen f Geistes darf in einer Zeit galoppierender technischer, industrieller, wissenschaftlicher, sozialer Entwicklung kein Hindernis sein, d Fragen an diese Zeit und ihre Menschen zu richten; die Frage etwa, - ob und inwieweit der allseitig und allgemein gebildete Mensch noch ?n das Ziel schulischer Bildung sein kann - oder die Frage, ob ein ehrlicher Verzicht auf den Erwerb bestimmter Bildungsgüter nicht eher ein Gewinn als ein Verlust sein kann.
Diese Fragen sind leichter gestellt als beantwortet, und im "Mathematisch-naturwissenschaftlichen Gymnasium? mag ein Versuch der Antwort liegen. Hier liegt die Chance und die Gefahr: Kein Mensch verzichtet ungestraft auf seine Vergangenheit ? Was war, ist ein Teil dessen, was ist. Auf die Schule angewendet: Wäre die Hinwendung zu der Welt von heute verbunden mit dem Versuch einer Abwendung von der Tradition des europäischen Geistes, so träte an die Stelle des Glaubens an personale Verantwortlichkeit, der uns überkommen ist, ein mechanistischer Perfektionismus, relative Pädagogik, ein Lehren und Lernen ohne Grundbezug: Finis Europae, Finis Humanitatis.?
Solchen grundsätzlichen pädagogischen Erwägungen gingen aber zunächst einmal die nüchternen Finanzplanungen der Stadtverwaltung voraus. Die Landesregierung war bereit, 75 % der Baukosten zu übernehmen. Die Bundeswehr beteiligte sich mit einem Darlehen in Höhe von 142 300 DM. Auf die Stadt kamen Grundstückskosten in Höhe von 319 000 DM zu. Am 10.12.1965 konnte Stadtdirektor Mainka dann folgende Summen nennen:
Gesamtkosten nach zweijähriger Bauzeit: 3 871 000 DM.
Vorläufige Baukosten: 3 140 000 DM.
Einrichtungskosten: 412 000 DM.
Von der, einschließlich Grundstückskosten, entstandenen Gesamtsumme von fast 4 Millionen DM hat die Stadt Rheine 1 700 000 DM aufgebracht.

Bei der Frage nach dem Standort des neuen Gymnasiums einigte sich der Rat der Stadt zunächst, am 24.11.1959, auf ein städtisches Grundstück im Bereich Wietesch-, Schiller- und Schüttemeyerstraße. Ein Ratsbeschluss vom 01.10.1960 bestimmte aber, dass die Schule im Stadtteil rechts der Ems auf einem von dem Bauern Zurborn erworbenen Grundstück Ecke Schubertstraße/Heerstraße gebaut werden sollte.

Stadtdirektor Mainka begründete diese Entscheidung: "Das Grundstück erwies sich als zu klein; und wenn man die Entwicklung der Stadt überschaut, die in Richtung Kanalhafen geht, die in Richtung Nordosten (Schotthock-Barentelgen) geht, so glaube ich, dass es wohl richtig war, hier das zweite Jungen-Gymnasium zu errichten. Es liegt hier mitten in einem schönen Sport- und Erholungszentrum. Es ist Erweiterungsgelände genügend vorhanden ? (Rede vom 10.12.65).

Auf Beschluss des Rates wurde im Frühjahr 1968 die Schubertstraße in Kopernikusstraße umbenannt. Die neue Schule ist seitdem postalisch unter Kopernikusstraße 61 zu erreichen. Bevor es aber zu dieser Bezeichnung kommen konnte, hatte es viele Vorschläge und Beratungen zur Namensgebung der neuen Schule gegeben. Groß war der Kreis derer, die sich an der Namenssuche beteiligten: das Kollegium des Dionysianums, politische Parteien, der Verkehrsverein, der Verein alter Dionysianer, einzelne Bürger. Folgende Vorschläge wurden unterbreitet:
Albertus Magnus, Blaise Pascal, Johannes Kepler, Wilhelm Leibnitz, Niels Stensen, Anton Egells, Max Planck, Heinrich Brockhausen, August Borsig, Kopernikus und Theodor Heuss.
Dr. Krefeld, Schulleiter des Gymnasiums Dionysianum, schrieb am 05.12.63 an den Stadtdirektor: "Mein Kollegium steht auf dem Standpunkt, daß der Name in unmittelbarer Beziehung zum Bildungsziel der Schule zu setzen ist.? In einer Abstimmung im Kollegium des Dionysianums hatte die Bezeichnung "Nikolaus-Kopernikus-Gymnasium? die weitaus meisten Stimmen erhalten.- Auch die CDU entschied sich für Kopernikus; die SPD hingegen schlug die Bezeichnung "Theodor-Heuss-Gymnasium? vor.
Im Januar 1964 beschloss der Rat der Stadt: "Das neue mathematisch-naturwissenschaftliche Gymnasium in Rheine erhält die Bezeichnung "Kopernikus-Gymnasium?.

Während des Baues der neuen Schule bildete sich ein "Arbeitskreis Kopernikus-Gymnasium?. Seine Mitglieder waren OSTR Dr. Happ, OSTR Steinhauer, die Studienräte Klostermann, Kösler, Ehrlich und Stacharowsky; der Musiklehrer Plogmaker. In einem seiner Tätigkeitsberichte bezeichnet sich der Arbeitskreis als "ein freiwilliger kollegialer Zusammenschluss. Sein Ziel ist die Beratung des Bauamtes der Stadt in Fragen der Einrichtung des Kopernikus-Gymnasiums. Seine Tätigkeit erstreckt sich auf die Erarbeitung solcher Einzelheiten der Planung, die nicht unter die in dienstlichem Auftrag zu erledigenden Vorbereitungen (Erstellung der naturwissenschaftlichen Sammlungen, Einrichtungen der Fachräume, Aufstellung der Bibliotheken) fallen.
Im Rahmen der selbstgestellten Aufgaben hat der Arbeitskreis in einer Reihe von Zusammenkünften intern und mit Vertretern der Stadt Planungsfragen beraten und zur Entscheidung empfohlen. Die gesamte Inneneinrichtung und Ausstattung der Schule bis in die Details ist mit den Vertretern der Stadt beraten, eine Fülle konstruktiver Vorschläge ist gemacht worden, die Planung des Bauamtes erwies sich, insgesamt gesehen, als zweckentsprechend. Die Zusammenarbeit war erfreulich. Herrn Niehaus gebührt besonderer Dank?.

Ausgeführt wird der Bau nach den Plänen des Diplom-Architekten Kurt Weitze und des Architekten Kurt Köninger, zwei Beamten des Stadtbauamtes. Bauoberinspektor Hermann Niehaus hat die Bauleitung, die Firma Josef Korte führt die Bauarbeiten aus. Am 21.02.1964 ist Richtfest, die Urkunde über die Errichtung des Gymnasiums wird eingemauert.
Ostern 1965 kann die Schule nach zweijähriger Bauzeit bezogen werden. Oberstudiendirektor Dr. Happ schreibt in seinem Bericht über das Schuljahr 1965/66: "Das moderne, architektonisch gut gegliederte Schulgebäude war zu Unterrichtsbeginn bezugsfertig. In einem zweckmäßigen und freundlichen Klassentrakt befinden sich 9 Klassenräume. Hinzu kommen 3 kleine Ausweichklassen für Gruppen- und Kursunterricht. Der rechtwinklig dazu stehende Bau für die Sonderräume enthält gut geplante Räume für den naturwissenschaftlichen Unterricht, ferner Zeichensaal und Musikraum. Im Erdgeschoß sind außerdem die notwendigen Verwaltungsräume untergebracht.?

Zu Beginn des Jahres 1965 überlegten das Schul- und Kulturamt, das Hochbauamt, der Rat der Stadt, der Kulturausschuss, der Bauausschuss, der Lehrerarbeitskreis Kopernikus-Gymnasium und der Kunstmaler v. Assaulenko, wie die neue Schule künstlerisch ausgestaltet werden könne. Für diesen Zweck sollten 2% der Gesamtbausumme aufgewendet werden. Das Stadtbauamt stellte 26500 DM in Aussicht.

Schließlich schlug der Rat der Stadt die Künstlerin Anneliese Schmidt-Elk vor, den Künstler Rolf Busch und den Maler und Bildhauer Josef Sauerland, mit der künstlerischen Aüsgestaltung des Kopernikus-Gymnasiums zu beauftragen.
Anneliese Schmidt-Elk schuf für die Eingangshalle eine bronzene Wandplastik des Nikolaus Kopernikus; Rolf Busch stellte auf den Aulatüren in Lasurtechnik die 4 Themen Literatur, Musik, Bildende Kunst (Architektur, Malerei und Bildhauerei) und Theater dar, und Josef Sauerland versinnbildlichte auf einem Wandgemälde für die Halle im 1.Obergeschoss die Entwicklungsstufen des Daseiris: Steinwelt, Pflanzenwelt, Tierwelt und Mensch.
Zum Leiter der Schule wählte der Schulausschuss am 25.Mai 1964 den Oberstudienrat Dr.Winfried Happ aus Werne.

Am Abend des 27. April 1965 fand in der Aula des Dionysianum die feierliche Verabschiedung der Lehrer und Schüler des Dionysianum statt, die nun zum ausgegliederten Kopernikus-Gymnasium gehörten.

OSTD Dr. Krefeld rief für die Arbeit am Kopernikus-Gymnasium die Worte der Gründungsurkunde noch einmal ins Gedächtnis zurück, in der es heißt, dass man dort die jungen Menschen erziehen möge im Geiste der Wissenschaften, zu wahrer Menschlichkeit, zu tiefer Ehrfurcht und Frömmigkeit und zu den Taten des Friedens. Unter den Klängen der Schülerkapelle des Arnoldinums und mit den Fahnen der Schule und der Abiturienten zogen dann Lehrer, Festgäste und Schüler zum Marktplatz ?
Hier unterstrichen die Leiter der beiden Gymnasien in ihren Reden noch einmal die Bedeutung dieses Tages, bevor man mit dem Prager Studentenlied und unter den Klängen der Musik in einem viele hundert Meter langen Fackelzug von dort über die Ems zum neuen Kopernikus-Gymnasium zog, wo auf dem Schulhof Dr. Happ Worte herzlicher Begrüßung, aber auch herzlichen Dankes fand. Den Ausklang des Tages bildete ein gemütliches Beisammensein.



AmDienstag begann dann mit Eröffnungsgottesdiensten und der Einsegnung der Schule der erste Schultag. 195 Schüler (n u r Jungen!), darunter 42 Sextaner, erwarteten ihre Lehrer zur ersten Unterrichtsstunde.

Von Sexta und Quinta abgesehen, waren die Klassenstärken erfreulich klein. 160 der Schüler stammten aus Stadt und Amt Rheine, 14 aus dem restlichen Westfalen, 21 aus Niedersachsen. 142 Schüler waren katholisch, 52 evangelisch.

Anfangssprache des mathematisch-naturwissenschaftlichen Gymnasiums ist Englisch, das bis zur Obersekunda gelehrt wird. Auf der Prima kann zwischen Latein und Englisch gewählt werden. Ebenfalls wird ab Quarta bis zur Obersekunda Latein als zweite Fremdsprache gelehrt. Eine dritte Fremdsprache entfällt, dafür müssen sich die Schüler in Physik der schriftlichen Reifeprüfung unterziehen. Die mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächer werden naturgemäß in diesem Gymnasialzweig stärker betrieben, auf der Oberstufe kann aber zusätzlicher Sprachunterricht gegeben werden.

Freitag, den 10. Dezember 1965 fand in der Aula der neuen Schule die offizielle Eröffnung, die Einweihung des Kopernikus-Gymnasiums statt.

Ministerialrat Woeste vom Kultusministerium Düsseldorf führte Herrn Oberstudienrat Dr. Happ in sein Amt ein; Stadtdirektor Alfons Mainka vollzog in seiner Ansprache die Übergabe des neuen Gymnasiums, indem er Dr. Happ den Schlüssel des Hauses überreichte. In einer Feierstunde mit vielen Ansprachen und einem anspruchsvollen- musikalischen Programm wurden der Schule wertvolle Geschenke überreicht.


ZumSelbstverständnis der Schule äußerte sich Herr Klostermann in einem Zeitungsartikel (MV, 04.11.1964):
"Rheine darf erwarten, daß von seinem zweiten Jungengymnasium eine Ausstrahlung eigener Art ausgeht. Es wäre völlig verfehlt, das aus der Perspektive eines Stadtteils (?Rechts der Ems?) zu sehen.
Das neue Gymnasium gehört der ganzen Stadt, es muß von der ganzen Stadt getragen werden. Die Höhere Schule ist Schule der wissenschaftlichen Grundbildung, sie ist also den Wissenschaften verpflichtet, und sie sucht dieser Verpflichtung nachzukommen durch erziehenden Unterricht. Ihr Lebensgesetz hängt von ihrem Standort nicht ab. Ihre Schuldigkeit ist es, eine gute Schule zu sein, nicht mehr und nicht weniger. Einen Platz im Bewußtsein der Bürgerschaft wird die neue Schule sich erringen müssen.?
Am 10. März 1966 konnte die Schule die ersten Abiturienten verabschieden. Der Klassenlehrer der Oberprima, Studienrat Alfred Ehrlich, hielt eine vielbeachtete Festrede. Am Vorabend der Entlassung der ersten Abiturienten hatte die Oberprima unter der Spielleitung von Oberstudienrat Heinrich Klostermann in der Aula Szenen aus Goethes "Faust? aufgeführt. Die Entlassungsfeierlichkeiten waren übrigens der Abiturientia selbst übertragen worden. Ulf Henke, der als erster Abiturient des neuen Gymnasiums den Winckler-Preis verliehen bekam, äußerte sich in der Presse u.a. wie folgt:

"Es ist unsere Pflicht, einen Grundstein für die sich in den kom menden Jahren entwickelnde Tradition hinsichtlich der Abiturfeier am Kopernikus-Gymnasium zu legen. Aus diesem Grund kann und soll die Veranstaltung der diesjährigen Abiturientia nur ein Versuch sein, einen möglichst originellen, aber angemessenen Weg einzuschlagen, der durch kleinere Kurskorrekturen später zu dem gesteckten Ziel führen wird: zu einer würdevollen Repräsentation des Gymnasiums in der Öffentlichkeit.?

Und so begann denn nach der Entlassungsfeier in der Aula vor dem Portal der Schule ein für Rheine neuartiger Umzug: In 7 offenen Sportwagen fuhren die Abiturienten im Schrittempo zum Rathaus, unter Vorantritt einer Musikkapelle. Auf dem Rathausvorplatz hielt der Sprecher der Abiturientia, Dietmar Klos, eine Dankesrede an Bürgermeister Dr. Biermann. An eine humoristische Rede des Abiturienten Günnigmann schloss sich ein chemikalischer Versuch an. Henke weiter:? Die Sportwagen und dieser Versuch symbolisieren unser Bekenntnis für den Fortschritt in der Technik und den Naturwissenschaften. Wir plädieren nicht für eine romantische Rückwendung zur Vergangenheit, zur Antike, sondern für eine Ehrfurcht vor ihrem Werk und für das Wissen um den entscheidenden Vorrang des Seelischen vor der Materie, um - von diesem Grundsatz ausgehend - uns für den Fortschritt einzusetzen, um neue naturwissenschaftliche Erkenntnisse zu erringen, um zu erkennen, ?was die Welt im Innersten zusammenhält?.?

Und da es die ersten Abiturienten am Kopernikus-Gymnasium waren, seien an dieser Stelle schließlich noch ihre Namen festgehalten: Es waren die Rheinenser Bernhard Busch, Enno Günnigmann, Ulf Henke, Hartmut Klein, Dietmar Klos, Peter Leonhardt, Ulrich Rest, Friedrich Röttger, Josef Schöpper; Klemens Afting aus Spelle, Horst Froese aus Gronau, Manfred Jablinski aus Freren, Horst Kniemeyer aus Schüttorf, Rudolf Sauter aus Bentheim und Franz Vehring aus Neu-Mehringen.


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