Rheine / Esterwegen – Freitag, 06.03.2026. Während für die meisten das Wochenende bereits eingeläutet war, startete für die Lehrkräfte der Fachschaft Geschichte des Kopernikus-Gymnasiums eine intensive Reise in die Vergangenheit. Unmittelbar nach dem Unterricht am Freitagnachmittag machte sich die Gruppe auf den Weg zur Gedenkstätte Esterwegen bei Papenburg – nur rund 1,5 Stunden von Rheine entfernt.
Als zentraler Gedenkort beleuchtet Esterwegen die Geschichte der insgesamt 15 Lager im Emsland. Bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs waren hier rund 200.000 Menschen unter unmenschlichen Bedingungen eingepfercht – darunter Zehntausende politische Häftlinge sowie sowjetische Kriegsgefangene. Die grausame Zwangsarbeit und die systematische Misshandlung brachten der Region den Namen „Hölle im Moor“ ein; für mehr als 20.000 Menschen endete die Haft dort tödlich.
Schon kurz nach der nationalsozialistischen Machtergreifung 1933 dienten Orte wie Börgermoor, Neusustrum und Esterwegen dazu, unliebsame Stimmen aus der Arbeiterbewegung und den Gewerkschaften mundtot zu machen. Doch selbst unter extremem Druck blieb der Geist des Widerstands lebendig: Das weltberühmte Lied „Die Moorsoldaten“ entstand 1933 im Lager Börgermoor und trat von dort aus seinen Siegeszug als internationales antifaschistisches Symbol an.
Die historische Distanz schwand für die Fachschaft spätestens bei der Betrachtung der lokalen Verbindungen. In Esterwegen litten nicht nur prominente Persönlichkeiten wie der Friedensnobelpreisträger Carl von Ossietzky, sondern auch Rheinenser.
Ein bewegendes Beispiel für diesen Lokalbezug ist das Schicksal von Bernhard Alfrink: Der KPD-Ratsherr aus Rheine wurde bereits 1933 aufgrund seines Widerstandes gegen das NS-Regime verhaftet und in das Moorlager verschleppt. Gemeinsam mit den Rheinensern Heinrich Dornekott und Hermann Plambeck oder Adolf Disse, der 1942 dort ermordet wurde, steht er stellvertretend für den Mut derer, die sich der Diktatur entgegenstellten. Die Auseinandersetzung mit diesen Biografien machte deutlich, wie tiefgreifend der Terror das Leben in der eigenen Heimatregion beeinflusste.
Die Mitarbeiter der Gedenkstätte führten die Gruppe über das Gelände und erläuterten die Geschichte in einem intensiven Vortrag. Die 2011 eröffnete Gedenkstätte setzt auf eine bewusste Formsprache: Statt Baracken zu rekonstruieren, markieren Rotbucheninseln deren Standorte und visualisieren die enorme Enge für die bis zu 2.000 gleichzeitig inhaftierten Menschen. Rostender Cortenstahl und roter Lavaschotter symbolisieren die Härte und Trostlosigkeit des damaligen Alltags.
Ein besonderes Privileg für die Fachschaft Geschichte war der Blick hinter die Kulissen: Gemeinsam mit der Archivarin Kathrin Flor tauchten die Lehrkräfte tief in das Archiv ein und lernten die mühsame Rekonstruktions- und Aufarbeitungsarbeit kennen, die hinter der historischen Dokumentation steckt. Sie zeigte ihnen unter anderem auch einen Spaten, wie er einst zum Moorstechen eingesetzt wurde.
Die Initiative zur Fortbildung und zum Ausbau der Kooperation ging von Geschichtslehrer Serjoscha Flohr aus. Sein Wunsch wäre es, regelmäßige Exkursionen des Kopernikus-Gymnasiums zur Gedenkstätte Esterwegen fest ins Fahrtenprogramm zu verankern:
„Es muss darum gehen, die geschichtliche Erinnerungsarbeit an einem authentischen Ort zu ermöglichen und zugleich einen Gegenwartsbezug herzustellen, um den Blick dahingehend zu schärfen, dass Demokratie kein Selbstläufer ist, sondern das Engagement jedes einzelnen – auch unserer Schüler*innen – erfordert.“, so Flohr.
Erst spät am Freitagabend kehrten die Kolleginnen und Kollegen nach einem emotional fordernden, aber erfolgreichen Tag nach Rheine zurück – mit vielen neuen Impulsen für den Unterricht.






















